hallo, liebe leser*innen,

wir sind es wieder, die beiden megafinsteren gestalten von der startseite. wir stellen ihnen hier die edlen katzen vor, die in einen frechen sokratischen dialog über religionsphilosophische fragen verstrickt sind, obwohl sie bedauerlicherweise nur über eine semantische existenz verfügen.

 

wie alles begann …

 zunächst wäre da kater abraham. er ist ein stattlicher schwarzer kater von erlesenem gemüt und noblem charakter, der schon etwas in die jahre gekommen ist und nun ein rundum sorgloses leben an der seite einer gottesfürchtigen älteren dame führen könnte. bedauerlicherweise leidet er aber häufig an alpträumen und mitunter auch an schlafstörungen – letzteres bringt das alter eben so mit sich. um in seinen einsamen nachtstunden ein wenig trost zu finden, studiert er die bibel, eines der wenigen bücher, die er in der wohnung der frommen dame finden kann. jeden morgen ist er stets aufs neue um sein persönliches seelenheil besorgt und glaubt zuversichtlich an die göttliche vorsehung. sein tiefer glaube ist auf ein außergewöhnliches erlebnis zurückzuführen. es geschah nämlich in jenen tagen, als er erstmals die biblische kunde vom gott abrahams, isaaks und – wie hieß der dritte noch mal? – vernahm. sofort spürte er sich persönlich von diesem gott angesprochen und berufen, obwohl ihm zunächst noch nicht ganz klar war, was der konkrete auftrag sein könnte. aber – wie alle gottwohlgefälligen propheten – fühlte auch er sich wundersam geschmeichelt, dass ausgerechnet er eine herausragende rolle in einem göttlichen heilsplan spielen sollte. fortan – und im frommen gedenken an seine wunderbare berufung – nannte er sich selbst ‚kater abraham der auserwählte’. in tätiger nächstenliebe und mit missionarischem eifer sucht er seitdem stets das vertrauensvolle gespräch mit seinem überaus liebenswürdigen nachbarn: kater sokrates.

 

kater sokrates von und zu mäusewitz ist ein getigerter kater mit einem todschicken schwanz in ringelsöckchen-optik. er ist vortrefflich ausgestattet: äußerlich mit einer imposanten gestalt und innerlich mit einer charmanten kratzbürstigkeit. abgesehen von einigen heiklen situationen, in denen er sich unangenehm provoziert fühlt, ist er stets um kühle sachlichkeit und vornehme contenance bemüht. er ist noch jung, sehr dynamisch und vor allem mopsfidel, weshalb er gelegentlich von kater abraham den neckischen spitznamen ‚fidel mops’ erhält. kater sokrates entstammt ursprünglich dem verarmten straßenadel, residiert aber heute vornehm und behaglich in der wohnung einer agnostisch gesinnten philosophin mit all-inclusive-angebot. dies bietet ihm den unschätzbaren vorteil, dass er in seiner gediegenen residenz zahlreiche wissenschaftliche und philosophische bücher zur verfügung hat, die er nach herzenslust studieren darf. schon in jungen jahren hat er sich für philosophische themen aller art interessiert und sich eine umfassende bildung angeeignet. am allerliebsten stöbert er aber nach philosophischen kuriositäten. er liebt den gepflegten wortwitz und verabscheut alle formulierungsproleten, die den erdball sonst so bevölkern. seine geradezu snobistische obsession für völlig abstruse philosophische gedankenspiele ist dabei so sehr ausgeprägt, dass man ihn – die anleihe an die sonstige tierwelt sei hier gestattet – mit einem schwein vergleichen könnte, das den boden nach trüffeln durchpflügt. er ist also sozusagen ein philosophisches trüffelschwein mit einer hoch-begabten-nase für die diversen kostbarkeiten der philosophischen fragestellung.

 

was dann geschah …

 da die beiden katzen mehr als nur einen katzensprung voneinander entfernt wohnen, ist es wohl einer außerirdischen fügung zu verdanken, dass sie sich eines tages begegneten und ins gespräch kamen. seit vielen jahren befinden sie sich nun schon in einem launigen denkwettbewerb: wer stellt die kühnste frage? wer gibt die pfiffigste antwort? der gewinner des heiteren denkwettbewerbs bekommt dann für den jeweiligen tag den ehrentitel ‚pfiffikus’. wollte man dieses geheimnisvolle werk der unbezweifelbaren vorsehung erotisch formulieren, dann könnte man sagen: philosophie trifft theologie und wo man sich trifft, da ist befruchtung. tatsächlich hatte dieses epochale ereignis gravierende folgen für das leben der beiden katzen – folgen, die auch für die außerirdische vorsehung irgendwie unvorhersehbar waren, wie alsbald darzulegen wäre …

kater sokrates kann zwar mit einiger berechtigung als philosophisch sehr gebildet gelten, aber ein betrübliches wissensloch hat er eben doch. im bücherregal der gottlosen philosophin fehlt ausgerechnet das buch der bücher: die bibel. es war daher für kater sokrates eine bestürzende einsicht in seine wissensgrenzen, als er erstmals durch kater abraham von der existenz jenes weltberühmten buches erfuhr. kater sokrates ist – das muss man unbedingt wissen – mächtig stolz auf sein kostbares wissen, obwohl er in gespielter bescheidenheit und in anlehnung an seinen berühmten antiken namensvetter stets versichert, eigentlich nichts zu wissen. bislang jedenfalls wusste er immer sehr genau, was er nicht weiß, aber nun gab es da tatsächlich etwas, von dem er zuvor nicht wusste, dass er es nicht weiß. tief erschüttert über dieses verflixte wissensloch verlangte er von seinem neu erworbenen pelzbusenfreund genaueste auskunft über den fraglichen gegenstand, um das loch – wie man dies sonst bei schicken ringelsöckchen tut – unverzüglich zu stopfen. hierdurch nun erhielt auch er kunde vom gott abrahams, isaaks und – wie hieß der dritte noch mal? bislang hatte er nur von einem philosophen-gott gelesen, aber dieses sonderbare detail philosophischen denkens erschien ihm eher unwichtig und folglich hatte er es stets großzügigst ignoriert. aber nun sollte alles anders werden …

auch für kater abraham brachte die schicksalshafte begegnung mit kater sokrates eine dramatische wende in seinem leben. scheinbar gefestigt, trost- und haltfindend im glauben, beginnt der liebenswürdige, aber von lebensängsten schwer geplagte kater stets sein tagewerk in gottesfürchtiger, bußfertiger und erlösungsbedürftiger gesinnung. doch der verderbliche umgang mit dem gottlosen kater sokrates bewirkt eine höchst sonderbare veränderung in seinem gesamtinventar von wissen, glauben und meinen. alsbald verstrickt sich kater abraham in die allerheftigsten glaubenszweifel. in fällen wie diesen entwickelt er sich mitunter sogar zu einem skeptischen – ja man muss leider konstatieren – geradezu despektierlichen wesen, das abends die gegenteilige meinung der morgendlichen meinung vertritt. kater sokrates quittiert diesen gründlichen sinneswandel von der morgen-meinung zur abend-meinung mit einer wohl platzierten hochgezogenen augenbraue, wenn kater abraham energisch verkündet: „ich bin nicht meiner meinung!“

gelegentlich findet kater abraham einigen anlass zu gefühlen des ärgers über die verwegenen neckereien seines pelzbusenfreundes, weshalb er ihn dann sanft tadelnd eine ‚philosophische kratzbürste’ nennt. in der tat, kater abraham ist für kater sokrates so etwas wie ein personifizierter kratzbaum. doch – so ist zu fragen – was soll man, ja was darf man von einem kater, der experte für philosophie ist, auch anderes erwarten? es scheint eine dem philosophen auferlegte schicksalspflicht zu sein, den theologen wie einen kratzbaum zu bearbeiten, um ihn dann am jüngsten tag mit der kettensäge vollends umzusägen. eine richtig verstandene philosophie ist denknotwendig eine amüsante kettensägen-filousophie, halleluja!

 

 

 

 

 

 kater abrahams lieblingsrezept
gegrillte mäuseschnitzel mit backpflaumen und creme brûlée

 

zubereitung

1. mäuseschnitzel

zarte mäuseschnitzel frühzeitig beim teuflischen lieferservice bestellen (eventuelle verzögerungen wegen lieferschwierigkeiten großzügig einkalkulieren), salzen, pfeffern, beherzt auf den grill legen, von beiden seiten dunkelbraun grillen, dabei mehrmals vorsichtig mit dem teuflischen dreizack wenden

2. backpflaumen

backpflaumen über nacht in cherry einweichen, ein kleines zwiebelchen andünsten, etwas räucherspeck würfeln, einen satansröhrling in kleine drudensterne schneiden, alles verrühren, ca. 10 min. köcheln lassen, mit rotwein ablöschen, mit pfeffer, salz und etwas zucker abschmecken

3. creme brûlée

1 ei, 125 ml selbst gemolkene mäusemilch, etwas vanille, alles verrühren, in gekühlte förmchen geben, 30 min. im wasserbad pochieren, erkalten lassen, mit rohrzucker bestreuen, mit dem karamellisiereisen aus teufels küche goldbraun kramellisieren

hübsch anrichten und genussvoll verspeisen!

guten appetit!