göttliche verzweiflung

 

es begab sich einige zeit nach der sintflut, als wir, die lustigen ahuramazdamen am1 bis am17 beschlossen, die religiösen hirngespinste der menschen mit einigen apokryphen schriften zu bereichern. kichernd sprachen wir: „ein wenig schabernack mit den gottesfürchtigen veredelt das leben nachhaltig.“ ich, ahuramazda am13, verfasste einen fiktiven brief, der von gott jahwe an seine verflossene gattin, göttin aschera, gerichtet war. ich versteckte ihn in einer höhle in der nähe von gelsenkirchen und ich sorgte dafür, dass er von einem frommen kater im jahre 2417 n. sok. gefunden wurde. und solches geschah.

lesen SIE nun den brief von herrn grusel-jahwe an frau grusel-jahwe!

liebste aschera,

ich bitte dich inständig, komm zu mir zurück! seit du mich verlassen hast, ist nichts mehr gut in meinem leben. ich bin total frustriert und sehr, sehr einsam, das verstehst du doch, oder? zugegeben, ich bin schon immer ein widerspruchsvoller und etwas sonderbarer kautz gewesen. ich weiß, dass du mich damals wegen meiner cholerischen anfälle verlassen hast. du wolltest immer, dass ich allgütig bin. sorry, das bin ich leider nicht. aber ich gebe dir eine wunderbare verheißung für die zukunft, ich werde mich fortan bestimmt bessern.

sicherlich willst du wissen, wie es mir seit deinem überstürzten auszug aus dem himmel erging. nun, das reine nichts, das nur nichtet und sonst nichts tut, grauste mich und aus lauter kummer beschloss ich, eine welt mit menschen zu erschaffen. du weißt schon: creatio ex nihilo und so. ich bastelte also zwei menschen – adam und lilith –, setzte sie in den garten eden und was muss ich dir berichten: alsbald gab’s ärger. warum müsst ihr frauen auch immer so emanzipiert sein? adam beschwerte sich, wollte sich sofort scheiden lassen und eine andere heiraten. ich sagte ihm, dass eine wiederverheiratung später ärger mit der katholischen kirche bringt. doch adam blieb uneinsichtig und drohte mir mit totaler verehrungsverweigerung, wenn ich ihm nicht schleunigst eine domestizierungsfähige frau beschaffe. was sollte ich also tun? ich gab nach und erschuf die eva aus seiner rippe. das ging aber auch nicht lange gut, denn sie war eine kleptomanin. ständig klaute sie mir die besten früchte im garten. es blieb mir nichts anderes übrig, als die beiden rauszuwerfen und zwei cherubim als türsteher aufzustellen. ich kann dir sagen: das mit der erschaffung der menschen war vielleicht die blödste schnapsidee, die ich je hatte. ich hätte mir ein anderes haustier anschaffen sollen. ein hamster oder so.

doch alsbald wurde es immer schlimmer. ich versichere dir, ich habe dem treiben der menschen wirklich viele jahre geduldig zugesehen. schließlich wurde es mir zu doof und ich beschloß, sie alle absaufen zu lassen. aber dann wäre ich wieder völlig allein und einsam gewesen. keiner hätte mich geehrt, gepriesen und geliebt. also ließ ich den noah und seine familie überleben. ich sage dir, das hätte ich besser nicht tun sollen. aber woher sollte ich das auch wissen. schließlich bin ich ja nicht allwissend. seitdem bin ich schwer depressiv: ehe gescheitert, schöpfung gescheitert und der teufel nörgelt auch ständig an mir herum. ich habe schon daran gedacht, suizid zu begehen, aber da fiel mir ein, dass das ja gar nicht geht: schließlich bin ich gott, unsterblich und der ganze quatsch.

es tut mir aufrichtig leid, dass ich dich in der hebräischen bibel immer so darstellte, als seist du, göttin aschera, nur ein billiges flittchen. ich konnte einfach nicht zugeben, dass du mich wegen meines ungehobelten benehmens hast sitzen lassen. du weißt schon: meine ego-probleme und so. aber jetzt sehe ich ein, dass ich dich schwer kränkte, als ich könig manasse von juda unflätig beschimpfte, weil er im tempel von jerusalem statuen aufstellte, um dich und unseren gemeinsamen sohn baal zu ehren. ich weiß jetzt auch, dass ich einen unverzeihlichen fehler machte, als ich könig josia – den enkel manasses – ausdrücklich lobte, dass er diese statuen wieder vernichtete. ich flehe dich untertänigst an, liebste aschera, entschuldige meine kleinkarierten eifersüchteleien. zu gerne würde ich alles wieder in ordnung bringen, aber vermutlich werden die juden dann nicht mehr auf mich hören. denn in der bibel steht ausdrücklich über könig josia in 2. könige 23.4: „der könig gebot … daß sie aus dem tempel des herrn hinaustun sollten alle geräte, die dem baal und der aschera … gemacht waren. und er ließ sie verbrennen draußen vor jerusalem im tal kidron und ihre asche nach bethel bringen.“

übrigens: es stimmt nicht, wenn die christen behaupten, ich sei jetzt mit maria verheiratet und hätte mit ihr einen sohn namens jesus. ich schwöre dir, ich würde nie eine andere frau begehren, geschweige denn schwängern – und schon gar nicht eine frau aus fleisch und blut, vielleicht noch mit hängebrüsten und schweißfüßen. was in der bibel der christen steht, ist alles ein riesengroßer schwindel!

ich flehe dich an, liebste aschera, komm zu mir zurück, ich liebe dich noch immer. dann kann ich auch endlich die sache mit dem weltuntergang durchziehen. die menschen warten schon seit mindestens 2000 jahren sehnsüchtig darauf und sagen frohgemut: „bestimmt geht nächstes jahr die welt unter.“ glaube mir, ich kann den weltuntergang nicht länger verschieben, sonst werde ich total unglaubwürdig.

 

 

Bildergebnis für Bilder Dreizack

 

die apokalypse des teufels

 

meine allerliebste freundin ahuramazda am17 sprach neulich zu mir: „ich finde, wir sollten den menschen unbedingt eine alternative perspektive auf die welt bieten. was hälst du von einer apokalypse des teufels? bislang lesen die menschen immer nur, was grusel-jahwe dachte und sagte, doch nun sollen sie in 20 versen erfahren, wie der teufel die dinge sieht. ein wenig übung in perspektivenübernahme tut den menschen bestimmt gut.“ „megaspaßig!“, sagte ich voller bewunderung, „die teuflische apokalypse eines himmlischen whistleblowers! davon hat die welt bestimmt noch nie gehört!“

1. dies ist die apokalypse, die ich, der teufel verfasste, um kundzutun, was einst im himmel geschah! selig ist, der da liest, denn er wird frohlocken!

2. im himmel ist ständig der teufel los. von wegen beglückende nähe gottes. immer gibt es zoff. unser chef ist wirklich widerlich. was soll ich sagen? gräßlich! megagräßlich! einfach nicht auszuhalten im himmel!

3. der alte knilch ist griesgrämig, grantig und grausam. und dennoch will er von uns stets geehrt, gepriesen und geliebt werden. doch ich frage mich: wofür eigentlich? offen gestanden: niemand kann ihn wirklich leiden.

4. zugegeben, ein paar arschkriecher gibt es schon unter den engeln. also verstehen SIE mich jetzt nicht falsch: unser chef hat nicht wirklich einen arsch. das war nur eine metaphorische redeweise, die ich bei den menschen aufgeschnappt habe.

5. regelmäßig wird im himmel gegen den chef geputscht. es nützt nur nichts, denn wir werden den alten knilch einfach nicht los. SIE wissen schon: unsterblicher gott und so.

6. immer muss ich armer teufel als sündenbock herhalten. ich werde dann regelrecht verteufelt. dabei versuche ich lediglich, die allerschlimmsten managementfehler im himmel wie auf erden zu verhindern.

7. stellen SIE sich vor, da kommt der chef doch unlängst auf die aberwitzige idee, auf dem planten erde menschen aus lehm zu basteln, um diese dann als seine ergebenen haustiere zu halten. sozusagen eine art hamsterzucht.

8. „grusel-jahwe“, schrien wir alle entsetzt auf: „mach das bloß nicht, das geht bestimmt in die hose.“ also verstehen SIE mich jetzt nicht falsch: unser chef trägt nicht wirklich eine hose. das war nur wieder eine metaphorische redeweise, die ich bei den menschen aufgeschnappt habe.

9. wo war ich gerade? ach so ja, weltschöpfung mit haustier und so. wie erwartet, ging natürlich alles völlig daneben. wir himmelsbewohner mussten dann vierzig tage und nächte lang unmengen wasser schleppen und über dem planeten erde auskippen, bis fast alle abgesoffen waren.

10. aber was soll ich sagen? der alte knilch ließ doch tatsächlich einige haustiere übrig und damit ging der ganze ärger von vorne los. war natürlich vorherzusehen. aber der chef hat es ja nicht so mit der vorsehung. prahlt zwar ständig damit rum, aber warum muss er dann heilspläne erfinden?

11. und dann kam die megapeinliche story: welterlösung für das renitente haustier. zuerst lachten wir nur, als unser chef von einem blutopfer faselte. doch dann wurde uns klar, dass einer von uns auf den planeten erde gehen soll, um sich an ein kreuz tackern zu lassen. das sollte dann als welterlösung durchgehen. total bescheuert, finden SIE nicht auch?

12. „grusel-jahwe“, riefen wir alle empört, „du hast wohl nicht alle latten am zaun.“ also verstehen SIE mich jetzt nicht falsch: unser chef hat weder einen zaun noch irgendwelche latten daran. handwerklich ist er ohnehin völlig unbegabt. das war nur wieder eine metaphorische redeweise, die ich bei den menschen aufgeschnappt habe.

13. natürlich war keiner von uns bereit, den job zu übernehmen. warum auch? nur weil der chef wieder eine dieser spleenigen ideen ausbrütete und sich dann auch noch total barmherzig vorkam, sollte einer von uns … nee, geht gar nicht!

14. „geh doch selbst und lass dich an ein kreuz tackern“, sagten wir alle zu ihm. eine vage hoffnung keimte in uns auf. vielleicht wären wir ihn dann endlich los. aber es war ja zu erwarten, dass er den job nicht selbst erledigen würde.

15. stattdessen brummte er nur verdrießlich: „na gut, dann such ich eben einen galiläischen wanderprediger, ernenn ihn zum messias und behaupte, er sei mein adoptivsohn. und dann lass ich ihn an ein kreuz tackern.“

16. „hi, hi! irgendeinen durchgeknallten möchte-gern-messias wirst du schon finden“, kicherten wir. wir ahnten ja nicht, dass diese spinner geradezu schlange stehen, um ein messias zu werden. die sache mit dem kreuz hatte der alte knilch aber vorsichtshalber nicht erwähnt.

17. dieser galiläische wanderprediger zog den plan dann voll durch. aber irgendwie ging doch wieder alles schief. der kerl bestand nämlich auf auferstehung und anschließender himmelfahrt. der chef was not amused.

18. der alte knilch ist übrigens seither noch viel verdrießlicher geworden. zwischenzeitlich nennen ihn nämlich etwa zwei milliarden menschen ‚vater’. das kann er ja gar nicht leiden. aber am allermeisten ärgert ihn, dass nun alle auf auferstehung und kostenloser himmelfahrt bestehen.

19. „grusel-jahwe“, rief ich entsetzt, „du kannst nicht milliarden von haustieren in den himmel kommen lassen. denk nur an den ganzen dreck, den diese viecher immer machen.“

20. „wo du recht hast, hast du nun mal recht“, sagte grusel-jahwe. „also, göttliche anordnung: keine haustiere in den himmel!“ und das ist die frohe botschaft – für uns! puh!