unsere philosophie: eine spaßhaltige weltanschauung für den homo ridens und gegen den homo religiosus

 

unsere philosophischen vorbilder

wir verfassen satirische philosophiebücher mit kratzbürstigen seitenblicken auf die abrahamitischen religionen zum staunen, gruseln und schmunzeln. thematisch und methodisch stehen wir in der tradition mehrerer antiker, neuzeitlicher und moderner philosophen, die uns als vorzügliche und inspirierende vorbilder dienen. diese philosophen verfolgten insbesondere epistemische, moralische und gesellschaftskritische anliegen, die auch wir aufgreifen wollen. einige dieser humorbegabten philosophen seien hier namentlich genannt.

  1. sokrates, der ironische philosoph ist berühmt für seinen unnachgiebigen frageterror und die ironischen behauptungen seines völligen nicht-wissens. mit den methodischen mitteln des sokratischen dialogs forderte er alle bescheidwisser unseres planeten heraus, traktierte sie mit philosophischen fragen zu den themen ‚wissen’ und ‚moral’ und schreckte alle diejenigen auf, die sich in ihren unhinterfragten ge-wohn-heiten häuslich niedergelassen und behaglich eingerichtet hatten. der fragefreudige philosoph wurde dafür zum tode verurteilt und kündigte nach der urteilsverkündigung verwegen seine absicht an, auch im jenseits – also sofern es ein jenseitiges leben geben sollte! – als fragespezialist tätig sein zu wollen und die dortigen bewohner auf ihr wissen und ihre moral hin genauestens zu befragen.

  2. demokrit, der lachende philosoph ist bekannt für seine überaus humorvoll-heitere lebenshaltung angesichts aller ‚geschäftsbedingungen des lebens’ – mögen sie superlustig oder megagruselig sein. sein spaß ist hier gerade nicht so zu verstehen, wie es vielleicht die heutige vergnügungssüchtige konsumgesellschaft verstehen mag. stattdessen verknüpfte er weisheit, moral, glück und humor im sinne einer lebenstragenden bewältigungsstrategie, die auch kognitive empathie (perspektivenübernahme) und emotionale empathie (mitgefühl) für andere einschließt. als homo ridens war er selbsterklärtermaßen kein homo religiosus.

  3. lukian von samosata, der pfiffige satiriker gilt als der zweite sokrates. er verfasste zahlreiche, in dialogform gehaltene, sarkastisch-witzige werke. seine bunte themenvielfalt zu ‚wissen’, ‚moral’ und ‚glückseligkeit’ erbost bis heute staats- und kirchentreue gemüter. auch anti-humoristisch geprägte philosophen, die einen betrüblichen mangel an selbstironie aufweisen, sind nicht entzückt über lukians kuriose idee, die philosophen samt ihren spleenigen philosophien auf einem fiktiven marktplatz meistbietend an zahlungswillige, aber kritische käufer zu verhökern.

  4. kant, der kritische philosoph verlangte, dass sowohl die ‚religion in ihrer heiligkeit’ als auch die ‚gesetzgebung in ihrer majestät’ vor den gerichtshof der vernunft treten und ihre geltungsansprüche begründen müssen, wenn sie unverstellte achtung sogar von philosophisch hochbegabten zu genießen wünschen.

  5. voltaire, der ungezügelte spötter erfand illustre extraterristische gestalten, die unnachsichtig die menschlichen schwächen aufdeckten, bestaunten und diese dann ausgiebig beschmunzelten. mit seinem subversiven humor gelang ihm eine neuartige perspektive auf die welt, die nicht durch traditionen und tabus vorgeprägt ist. hier zeigt sich, dass der schritt vom erhabenen zum lächerlichen winzig ist. der respektlose denker riskiert einen blick mehr als die denkfaulen und stellt entzückt fest, dass auch die ‚heiligsten kühe’ nur ganz gewöhnliche rindviecher sind.

  6. schopenhauer, der großvater der inkongruenztheorie des humors, deckte im humor den versteckten ernst hinter dem scherz auf. der ernste ist überzeugt, dass er die dinge denkt, wie sie sind und dass sie sind, wie er sie denkt. die wahrnehmung einer inkongruenz zwischen dem gedachten und dem wirklichen reicht, je nach stärke der inkongruenz, vom artig-domestizierten schmunzeln bis hin zum vergnügt-sprudelnden lachen.

  7. marquard, der humoristische philosoph, erklärte, dass der humor überraschend hochbegabt darin ist, verborgene wirklichkeiten aufzuspüren. diese zusätzlichen wirklichkeiten, die offiziell gerne geleugnet werden, kann der humor liebevoll-spöttisch ins leben hereinbitten. er erkannte die tiefe wesensverwandtschaft von philosophie und humor – also denken und lachen –, die darin begründet ist, dass sie beide merkverbote zusammenbrechen lassen.

 

unser verkündigungspersonal

mit diabolischem vergnügen haben wir uns von einem altorientalischen märchenbuch – der bibel – erleuchten lassen. und dies kam so: menschen erfanden vor ca. 2500 bis 2000 jahren skurrile geschichten, schrieben sie sorgfältig auf, fassten sie in einem zwei-teiligen kanon zusammen, bezeichneten sie als ‚altes testament’ und ‚neues testament’, gaben ihnen den verwegenen obertitel ‚heilige schrift’, verpflichteten alle frommen wesen dieses planeten, die ohren haben zu hören oder augen haben zu sehen, zum demütigen hofknicks vor dem unmenschlichen machwerk und dann behaupteten sie schnurstracks, ein gott namens jahwe, ein cholerischer gott aus der transzendenz, habe es ihnen eingegeben.

 

toll! dachten wir, das machen wir auch!

wir erfinden skurrile geschichten, schreiben sie sorgfältig auf, fassen sie in zwei büchern zusammen, bezeichnen sie als ‚… und der herr jesus sprach: lachen erlöst!’ und ‚… die allerheiligste schrift!’, geben ihnen den verwegenen untertitel ‚… eine kätzerische religionsphilosophische satiere für gewiefte spaßvögel’, verpflichten alle schabernackbegeisterten wesen dieses planeten, die ein gehirn haben zu denken, zum übermütigen schmunzeln über das satierische machwerk und dann behaupten wir schnurstracks, ahuramazda am13, ein bezauberndes wesen vom planeten alpha-pi-rex-saurus, habe es uns eingegeben.

 

doch halt! wir fanden noch mehr inspirierendes in der bibel.

gott jahwe auserkor zwei menschliche wesen mit nur einer legendenhaften existenz, abraham (erzvater) und mose (wanderführer), unterwies sie gemäß einer fiktiven ausbildung in göttlichen verheißungen zu den themen ‚landbesitz’ und ‚nachkommen’ und sandte sie in die welt, um den stets drohenden tag des göttlichen zorns zu verkünden. alsbald ergab es sich jedoch, dass das verkündigungspersonal dringend aufgestockt werden musste und folglich heuerte gott jahwe zahlreiche weitere wesen an, beispielsweise die propheten jeremia und jesaja. doch alle menschlichen wesen waren begriffsstutzig und verstanden nicht, was gott jahwe von ihnen wollte und siehe, da sandte er seinen sohn als messias. nach einem kurzen konfliktreichen aufenthalt auf dem planeten erde, reiste der sohn gottes zwar wieder ab, allerdings mit der – wohl überhaupt nicht ernstgemeinten – zusage, in kürze erneut aufzukreuzen. bedauerlicherweise wurde er seitdem nie mehr gesehen und auch der vormals redselige gott jahwe ist scheinbar schwer beleidigt und lässt nichts mehr von sich hören. dieser ernüchternde und enttäuschende zustand einer defizitären welterlösung dauert nun schon seit 2000 jahren.

 

die ahuramazdamen am1 bis am17 schüttelten verwundert und belustigt ihre häupter und sprachen: das also haben die menschen davon, wenn sie skurrile geschichten erfinden.

 

toll! dachten wir, das können wir besser!

ahuramazda am13 auserkor zwei kätzerische wesen mit nur einer semantischen existenz, kater abraham (theologe) und kater sokrates (philosoph), unterwies sie gemäß einer fiktiven ausbildung in den disziplinen ‚philosophie’ und ‚gelotologie’ mit den akademischen abschlüssen bachelor und master und sandte sie in die welt, um den extraterristischen spaß zu verkünden. alsbald ergab es sich jedoch, dass das verkündigungspersonal dringend aufgestockt werden musste und folglich heuerte ahuramazda am13 zahlreiche weitere wesen an, beispielsweise kater muezzin und kater youssuf. doch alle kätzerischen wesen waren begriffsstutzig und verstanden nicht, was ahuramazda am 13 von ihnen wollte und siehe, da sandte sie die perserkatzendame fräulein flausch als undercoveragentin.

 

unsere spaßhaltige weltanschauung (buch 1)

wir führen eine philosophische auseinandersetzung mit den beiden derzeit vorherrschenden weltanschauungen: die agnostisch-naturalistische weltanschauung (beispielhaft vertreten durch die philosophen hume, metzinger) vs. die religiöse weltanschauung (beispielhaft vertreten durch die philosophen kutschera, tetens). im anschluss an den philosophen blumenberg thematisieren wir die strategien der menschen zur wirklichkeitsvermeidung. der mensch ist ein trostbedürftiges wesen, das leidet, zusätzlich am leid leidet und folglich zu placebos greift. wir verstehen und respektieren, dass placebos für die bewältigung der unverfügbarkeit des lebens unverzichtbar sind. mit dem philosophen schurz schätzen wir die drei abrahamitischen religionen als placebos ein, da sie zwar nicht das leid beseitigen, wohl aber das leiden am leid durch trostangebote zu mildern suchen.

die drei abrahamitischen religionen sind ego-politur, denn sie dienen hauptsächlich der selbstbeweihräucherung der gläubigen, insofern sich diese einbilden, dass es einen gott gibt, der sie wohlwollend beäugt. dieses hirngespinst schmeichelt zwar, ist aber nur ein placebo, da es keine logischen und faktischen gründe für die existenz eines, am menschen interessierten gottes gibt. dieser sachverhalt manifestiert sich am plausibelsten am prinzipiell unlösbaren theodizee-problem. folglich wird der glaube an gott unterschwellig von glaubenszweifeln bedroht und kritische anfragen an die religiöse weltanschauung werden rigoros abgewehrt. pointiert formuliert ist der religiöse glaube ein morsches gebäude, das stets durch philosophisch-gelotologisches fragen und schmunzeln einsturzgefährdet ist und durch §166 stgb eigens geschützt wird.

eine alternative weltanschauung ist demnach wünschenswert und wir bieten sie. wir empfehlen eine spaßhaltige weltanschauung im sinne des philosophen demokrit. damit meinen wir eine agnostisch-naturalistische weltanschauung, die eingebettet ist in eine reflektierte spaßkultur, die philosophie und gelotologie verknüpft. humor ist zwar ebenfalls ein placebo, aber im vergleich zur religion ein vorzüglicheres placebo, denn es ermöglicht kognitive und emotionale selbstdistanz, die das leiden am leid verringert, obwohl auch hier das leid selbst bestehen bleibt. grundlegend für uns sind die ergebnisse der gelotologie. diese sehr junge wissenschaftliche disziplin erforscht die wirkungen des humors als placebo auf die physische und psychische gesundheit.

unsere kätzerischen katzen treten zunächst für die bekannten weltanschauungen ein: kater abraham (religiöse weltanschauung) und kater sokrates (agnostisch-naturalistische weltanschauung). in ihrer dialog-geführten entwicklung gewinnen sie zunehmend die einsicht, dass ihre weltanschauungen in wesentlichen aspekten defizitär sind und durch eine spaßhaltige weltanschauung ersetzt werden müssen. das erste buch zeichnet die kätzerische entwicklung in 19 sketchen nach, inszeniert als studium der philosophie und gelotologie. dabei stehen sie unter der liebevollen führung einer fiktiven weiblichen extraterristischen moped-gang, den ahuramazdamen am1 bis am17, die in allen merkmalen als gegenentwurf eines monotheistischen gottesbildes entworfen sind und das ideal einer spaßhaltigen weltanschauung praktizieren. ihre spaßboschaft für die menschen lautet: denke gutes, sage gutes und tue gutes! habe spaß im überfluss!

 

 

2419 n. sok.

philosophischer essay 1,
verfasst von einer philosophin
im pelz eines getigerten katers

 

epistemische zugänge zum gottesbegriff …

das religiöse gift
und seine nebenwirkungen

 

1. die frage nach dem ‚lieben gott’ …*

2. fünf denk-optionen …

() … der gott des volkstümlichen glaubens
(
) … der gott der philosophen
(
) … der gott der mystischen erlebnisse
(
) … der gott der offenbarung als entität des wissens
(
) … der gott der offenbarung als entität des vertrauens

3. warnung vor risiken & nebenwirkungen

* … was würde der ‚liebe gott’ dazu sagen?

 

1. die frage nach dem ‚lieben gott’

der mensch versteht sich selbst als homo religiosus. er begreift sich als ein wesen, das zur gotteserkenntnis befähigt ist. er ist mächtig stolz darauf, denn dies unterscheidet ihn angeblich von einem ‚dummen tier’ und diese unterscheidung ist ihm sehr wichtig. die gläubigen erfinden seltsame glaubensinhalte und kuriose rituale. zumindest wundern sich ungläubige und andersgläubige über religiöse inhalte und praktiken, von denen sie selbst nicht überzeugt sind. christen finden es merkwürdig und unverständlich, dass die schamanen der kham magar in nepal davon überzeugt sind, einem widder in die zunge beißen zu müssen. der schamane glaubt, dass dieses ritual heilsbringend ist, wohingegen er aber auch glaubt, dass ein anderes ritual – beispielsweise einem huhn in den fuß zu zwicken – völlig wirkungslos bliebe. der berühmte arabische philosoph averroes bemerkte mit blick auf das christentum, dass von allen religionen diejenige die törichteste und sinnloseste sei, deren anhänger ihren gott verspeisen, nachdem sie ihn zuvor erfunden haben.

gewiss, es muss zugestanden werden: die religiosität ist ein phänomen, das überall auf der welt und zu allen zeiten in der menschheit anzutreffen war, ist und vermutlich sein wird. doch was bedeutet dies? es bedeutet zunächst nur, dass die meisten menschen ein natürliches bedürfnis haben, das offensichtlich durch religionen befriedigt wird. es bedeutet aber nicht, dass die entität der religiösen verehrung mehr ist als ein fantasieprodukt mit den merkmalen eines ‚trostpflästerchens’ für die unerfreulichen ‚geschäftsbedingungen des lebens’. der mensch …

  1. ist bedroht durch krankheit, alter und tod

  2. ist mitunter zerstörerischen naturgewalten ausgesetzt

  3. beklagt die ungerechtigkeit des schicksals

  4. konstatiert die engen grenzen seines wissens

  5. fürchtet sich vor einer stets ungewissen zukunft

  6. hat eine tiefe sehnsucht nach sinn und bedeutung seines eigenen lebens

  7. bedauert die flüchtige pracht des lebens, der liebe und des glücks

  8. erschrickt vor seinem eigenen destruktionspotenzial.

die natur brachte offensichtlich ein wesen hervor, das über ein reflexionsbewusstsein verfügt, aber dieses wesen kann gerade deshalb die wirklichkeit nicht ertragen. so jedenfalls sieht dies der philosoph blumenberg und spricht hier von der trostbedürftigkeit und trostfähigkeit des menschen.

wir haben also allen grund, über die unerfreulichen ‚geschäftsbedingungen des lebens’ unzufrieden und unglücklich zu sein und uns nach ‚ego-politur’ und ‚trostpflästerchen’ mit einem hohen wohlfühl-potenzial umzusehen – da kommt uns doch der ‚liebe gott’ gerade recht. ist also gott ein bloßes fantasieprodukt und die religion vergleichbar mit komasaufen? der ungläubige sagt „ja“, doch der gläubige sagt „nein“. nehmen wir den gläubigen probeweise einmal ernst und fragen uns: ist gotteserkenntnis tatsächlich möglich?

2. fünf denk-optionen …

eine philosophische untersuchung könnte in systematischer perspektive die frage stellen: welche epistemischen zugänge zum gottesbegriff sind denkmöglich? epistemologie ist die lehre von dem, was wir tatsächlich wissen oder glauben bzw. was wir wissen oder glauben können. wenn wir von wissens- oder glaubensinhalten p einer person x sprechen, dann müssen wir vier bedingungen in den blick nehmen: () die sprachbedingung: p ist sprachlich formuliert im sinne einer wahrheitsfähigen aussage. () die wahrheitsbedingung: p ist tatsächlich wahr nach maßgabe einer wahrheitstheorie. () die überzeugungsbedingung: die person x ist von der wahrheit von p überzeugt. () die begründungsbedingung: die person x kann auf nachfragen gute gründe für ihre überzeugung von p vortragen. jede einzelne bedingung führt zu zahlreichen problemen, von denen wir hier nur einige wenige untersuchen können. wir wollen annehmen, dass die überzeugungsbedingung stets erfüllt ist, d.h. gelegenheitsgläubige, lügner und heuchler interessieren uns hier nicht. unter dieser voraussetzung ist dann die begründungsbedingung für die gotteserkenntnis in abhängigkeit vom jeweiligen epistemischen zugang zu spezifizieren. im folgenden sollen fünf epistemische zugänge aus einer philosophischen perspektive näher erläutert, ihre begründung analysiert und ihre implikationen kritisch beurteilt werden.

der gott des volkstümlichen glaubens

diese gottesvorstellungen berufen sich auf die alltagsintuition des jeweiligen menschen, der glaubt oder hofft, dass es eine ‚höhere macht’ gibt. alltagsintuitionen sind meist nicht explizit sprachlich formuliert, von wünschen, befürchtungen und trostbedürfnissen geleitet, unreflektiert und unsystematisch, nicht argumentgestützt, häufig erstaunlich tolerant gegen logische kapriolen und nicht selten mit gravierenden abweichungen von der ‚offiziellen lehre’. dieser volkstümliche glaube ist individuell maßgeschneidert und dient so der besseren bewältigung der unerfreulichen ‚geschäftsbedingungen des lebens’. religion ist also besser als komasaufen!

als soziales phänomen soll der volkstümliche glaube an eine ‚höhere macht’ angeblich dem zusammenhalt im staat dienen. zumindest ist es eine verbreitete überzeugung, dass ungläubige moralisch verdorben sind, wohingegen gläubige glaubensbedingt von moralischen entgleisungen abgehalten werden. doch wir sollten hier fragen: stimmt das? () die biologische dimension: die natur hat bereits in der tierwelt verschiedene spielarten der kooperation von individuen erfunden und als überlebensdienliche strategien bei sozial lebenden tieren etabliert. gleichzeitig entwickelte sich auch die fähigkeit zur trittbrettfahrerei und zum betrug. betrügerisches verhalten bedroht aber nachhaltig eine erfolgreiche kooperation. () die soziologische dimension: der mensch entwickelte kontroll- und bestrafungsstrategien und schuf institutionen (polizei, justiz), um das heer der trittbrettfahrer und betrüger möglichst klein zu halten und damit die bedrohung einer, auf kooperation angewiesenen gesellschaft zu minimieren. diese maßnahmen zeigen einerseits durchaus die gewünschte wirkung, insofern eine bestimmte anzahl an potenziellen betrügern durch abschreckung zu kooperativem verhalten veranlasst werden kann. allerdings nimmt andererseits auch die betrügerische raffinesse zu. eine verstärkung der kontrollen wäre hier also dringend erforderlich. sie ist aber aufwändig, kostspielig und keinesfalls lückenlos möglich. () die theologische dimension: nun wird eine (all)wissende und (all)mächtige transzendente instanz postuliert, die eine lückenlose und fehlerfreie kontroll- und bestrafungsfunktion übernehmen soll. mit dieser maßnahme kann das heer der trittbrettfahrer und betrüger weiter verringert werden, insofern tatsächlich an die existenz einer derartigen instanz geglaubt wird. aber – so ist illusionslos zu fragen – wer glaubt dies schon? nicht einmal kinderschändende priester – obwohl bestens vertraut mit höllendrohungen – glauben es. die neue problemlage besteht demnach darin, dass die lediglich gewünschte, aber anscheinend nicht existierende transzendente instanz ihren zugedachten aufgaben einfach nicht nachkommt. hier gerät der gläubige in eine ernsthafte erklärungsnot und rauft sich die haare, weil er nicht plausibel machen kann, warum diese transzendente instanz untätig bleibt.

jedenfalls kommt es zu einer wechselseitigen kognitiven aufrüstung der religiösen obrigkeit und der betrügerfraktion. fraglich bleibt, ob sich der aufwand lohnt. zahlreiche wissenschaftliche untersuchungen, die klären sollten, ob gläubige tatsächlich auch moralisch bessere menschen sind, ergaben einen merkwürdigen befund. im vergleich reden zwar gläubige deutlich häufiger von moralischen werten, auch bekennen sie sich dezidiert zu moralischen werten, aber sie verhalten sich nicht moralischer als ungläubige. doch wie ist das möglich? es könnte damit zu tun haben, dass religiöse glaubenssysteme immer auch kuriose schlupflöcher für den gläubigen bereithalten. ein kabarettist formulierte dies sehr pointiert: „als ich ein kind war, betete ich zu gott, um ein fahrrad zu bekommen. aber dann musste ich realisieren, dass gott so nicht funktioniert. daraufhin habe ich das fahrrad gestohlen und betete um vergebung.“ dies könnte auch plausibel machen, warum kinderschändende priester ihr übles tun unbesorgt fortsetzen.

der gott der philosophen

zahlreiche philosophen berufen sich auf die philosophische vernunft und versuchen, wissen über einen gott durch rationale überlegungen zu erschließen und durch tiefsinnige gottesbeweise zu sichern. die philosophen hume und kant haben aber in ihren schriften eindrucksvoll gezeigt: eine 2.500-jährige tradition an gottesbeweisen ist grandios gescheitert. für hume steht fest: „gott ist das ebenbild des menschen“ und kant behauptet: „gott ist keine entität der erkenntnis“. aus einer systematischen perspektive handelt es sich um drei knifflige probleme, die philosophisch nicht zu lösen sind: () die existenz gottes, () die wesenseigenschaften gottes und () die rechtfertigung gottes in anbetracht der übel der welt.

mit einem philosophisch konzipierten gottesbegriff ist insbesondere der anspruch verknüpft, die begründungsbedingung für die gotteserkenntnis zu erfüllen. kant hat jedoch überzeugend dargelegt, dass alle gottesbeweise unhaltbar sind und aus prinzipiellen erwägungen scheitern müssen. die drei wichtigsten gottesbeweise sind: () der ontologische gottesbeweis: dieser beweisstrategie zufolge liegt die existenz gottes bereits im gottesbegriff, insofern dieser als etwas absolut vollkommenes gedacht wird. etwas vollkommenes wäre aber nicht ein absolut vollkommenes, wenn ihm keine existenz zukäme. der beweis scheitert, weil die existenz kein logisches prädikat ist, das einem logischen subjekt zukommt, wie etwa das prädikat getigert einem kater zukommt. () der kosmologische gottesbeweis: hier wird angenommen, dass es eine ursache für die existenz der welt geben muss – die dann mit dem begriff ‚gott’ belegt werden kann. grundlegend ist die annahme, dass jedes ereignis eine ursache hat. betrüblicherweise gilt dieser allsatz noch nicht einmal in der physik. die quantentheorie besagt, dass der radioaktive zerfall unverursacht ist. () der teleologische gottesbeweis: diese beweisstrategie behauptet, dass die strukturelle ordnung der welt einem intelligenten schöpfer zu verdanken ist. so wie menschliche artefakte – beispielsweise mausefallen – nur durch ein intelligentes wesen konzipiert und realisiert werden können, so kann die welt nur durch einen (all)wissenden und (all)mächtigen schöpfer geschaffen worden sein. hume hat dieses analogiegestützte argument vernichtend kritisiert. die mausefalle kann nicht belegen, dass in allen fällen von schöpfung stets intelligenz im spiel sein muss. denken wir – anstatt der mausefalle – an ein mäusepaar, dann können wir auf viele kleine mäusekinderchen hoffen. sex ist hier völlig ausreichend und dies geht bekanntlich mit erstaunlich wenig intelligenz. die entstehung von ordnungsstrukturen kann demnach nicht nur in einem technomorphen modell, sondern auch in einem biomorphen modell begriffen werden.

angesichts der unerfreulichen ‚geschäftsbedingungen des lebens’ ist die frage, warum der ‚liebe gott’ die übel nicht beseitigt, eine außerordentlich widerspenstige frage, die philosophen und theologen schon oft schlaflose nächte bereitete. dieses so genannte theodizeeproblem hat es in sich. obwohl gott alle übel kennt – er ist (all)wissend – und obwohl er sie beseitigen könnte – er ist (all)mächtig – tut er dies erkennbar nicht. ein eklatanter mangel an göttlicher hilfsbereitschaft! folglich gilt: gott ist nicht (all)gütig! juristisch gesehen müsste gott nach §323c des deutschen strafgesetzbuches ständig wegen unterlassener hilfeleistung angeklagt werden. ein konsequent konzipierter gottesbegriff hätte zur folge, dass wir gott ‚lebenslänglich in den knast’ stecken müssten. aber vielleicht ‚sitzt’ er ja bereits. das würde jedenfalls plausibel machen, warum er nicht hilft.

der gott der mystischen erlebnisse

gottesempfindungen berufen sich auf ein subjektives erleben, das in bestimmten versenkungspraktiken (gebet, meditation, askese, trance, erleuchtung, berufung) möglich sein soll. hier wird stets darauf verwiesen, dass eine sprachliche formulierung und eine argumentgestützte begründung prinzipiell nicht möglich sind und auch nicht verlangt werden können, weil es sich um phänomene der innenperspektive handelt. dieses erleben beruht auf veränderungen der bewusstseinszustände, die aber nicht nur durch bestimmte versenkungspraktiken, sondern auch durch externe einflüsse wie elektrische oder magnetische stimulationen von bestimmten gehirnarealen oder durch die einnahme psychoaktiver substanzen ausgelöst werden können. neurowissenschaftler haben in zahlreichen experimenten gezeigt, dass die stimulierung bestimmter gehirnareale zu einem subjektiven erleben führen kann, das von gläubigen probanden als religiöses erleben gedeutet wird. doch was bedeutet dies? grundsätzlich ist einem menschen die deutungshoheit über sein subjektives erleben nicht abzusprechen, aber die deutung als transzendenzerfahrung geht über den eigentlichen erlebensgehalt weit hinaus und führt außerdem zu unsinnigen konsequenzen.

philosophisch gesehen sind diese deutungen unzulässig und zwar aus drei gründen. () der schluss auf eine konkrete ursache: es wird vom subjektiven erleben auf eine konkrete ursache geschlossen. solange der proband sich darauf beschränkt, sein erleben in der sprache der innenperspektive irgendwie zum ausdruck zu bringen, ist dagegen nichts einzuwenden. sobald er jedoch eine konkrete ursache benennt, verlässt er die innenperspektive. () der schluss auf eine transzendente ursache: es wird aus dem spektrum von möglichen ursachen sogar eine transzendente ursache gewählt. der mensch ist so angelegt, dass er stets nach deutungen sucht. wenn mehrere denk-optionen verfügbar sind, dann spielen persönliche vorlieben und neigungen eine entscheidungseffektive rolle. alternative möglichkeiten – beispielsweise gehirninterne ursachen – werden entweder ignoriert oder abgewiesen. doch warum? die annahme transzendenter ursachen fühlt sich einfach prickelnder an. () der schluss auf eine ganz bestimmte transzendente ursache: aus dem uferlosen spektrum möglicher transzendenter ursachen schließt der gläubige proband auf genau diejenige ursache, die ihm kulturell bekannt ist. anhänger christlicher lehren machen in ihrem religiösen erleben eher selten die bekanntschaft mit shiva oder vishnu und umgekehrt werden hindus nicht zum glauben an jahwe oder jesus bekehrt. demzufolge deuten gläubige probanden ihre experimentell erzeugten mystischen erlebnisse stets in übereinstimmung mit den bereits liebgewonnenen glaubensinhalten. nehmen wir probeweise an, dass die transzendenten deutungen der gläubigen probanden zutreffend sind, welche konsequenzen müssten wir dann akzeptieren? wir müssten annehmen, dass die entsprechenden götter – sei es nun jahwe, jesus, shiva oder vishnu – stets auf der lauer liegen, um genau dann ihren lieblingsgläubigen zu erscheinen, wenn die entsprechenden experimente ausgeführt werden.

der gott der offenbarung als entität des wissens

diese gottesbegriffe meinen den gott der monotheistischen religionen. sie berufen sich auf eine ‚heilige schrift’, die angeblich von gott (quasi)inspiriert sein soll und auf eine besondere theologische vernunft, die von gott geschenkt ist. hier geht es also nicht darum, dass der mensch einen gott sucht, sondern umgekehrt, dass sich ein gott mitteilen will, der den menschen in güte zugewandt ist. der gedanke der selbstmitteilung gottes erscheint einerseits vielversprechend und zwar gerade deshalb, weil er nicht dem menschen die last der gottesbeweise durch die philosophische vernunft aufbürdet. andererseits muss dann aber ein präzises abgrenzungskriterium verfügbar sein, das es ermöglicht, echte selbstoffenbarungen gottes von abstrusen privatoffenbarungen durch mystische erlebnisse zu unterscheiden. um diese probleme zu bewältigen, wird dann eine besondere theologische vernunft bemüht, die nur einigen wenigen auserwählten – beispielsweise propheten, aposteln, päpste – zuteil wird. eine wichtige vertreterin dieser position ist die katholische kirche. in ihrer 2.000-jährigen tradition hatte sie stets grund, allzu fantastischen hirngespinsten von besonders erleuchteten einhalt zu gebieten. immerhin gibt es mindestens 30 evangelien und nicht nur die vier – vom vatikan – anerkannten. aber warum sollte die katholische kirche ein monopol auf die deutung einer göttlichen offenbarung haben?

in philosophischer perspektive geht es um eine drei-stellige relation (gott x, offenbarung y, mensch z), die zu einer vielfalt von bizarren problemen führt. () das existenzproblem: x bezieht sich auf einen transzendenten gott. gibt es diesen gott und will er sich überhaupt den menschen mitteilen? wenn ja, sollten wir dann nicht annehmen, dass es einem (all)mächtigen, (all)wissenden und (all)gütigen gott möglich ist, sich in unbezweifelbarer weise kund zu tun? doch warum tut er es nicht? will er es nicht oder kann er es nicht? hier drängt sich dann der schlimme verdacht auf, dass die existenz gottes vielleicht deshalb nicht geklärt werden kann, weil es nur menschlicher selbstüberschätzung zu verdanken ist, wenn wir annehmen, es müsse einen gott geben, der unbedingt mit uns reden will. () das auswahlproblem: y steht für das angeblich geoffenbarte wort gottes. nehmen wir probeweise an, es gibt einen mitteilungswilligen gott. welche der zahlreichen ‚heiligen schriften’ (gatha, tora, bibel, koran u.v.a.) darf göttliche urheberschaft beanspruchen? trifft der gläubige die wahl im wirrwarr der ‚heiligen schriften’, dann macht er sich selbst zum maß aller dinge. hört er aber bereits auf eine ‚heilige schrift’, die ihm die ‚göttliche gnade’ der richtigen wahl zusichert, dann muss zuvor klar sein, welche ‚heilige schrift’ berechtigt ist, ihren gott zu empfehlen. dabei stellt sich allerdings das kuriose problem, dass alle auf dem markt erhältlichen offenbarungsangebote eher nach dubiosen menschlichen machwerken, denn nach göttlichen botschaften eines ‚lieben gottes’ aussehen und wenig überzeugend sind. sollten wir darüber hinausgehend nicht von einem redseligen gott erwarten dürfen, dass seine selbstoffenbarung allen menschen – ausnahmslos und mit gleichem wortlaut – zuteil wird? da die menschheitsgeschichte aber eine beeindruckende anzahl von ‚selbsternannten auserwählten’ mit ‚selbstgebastelten göttlichen botschaften’ zu bieten hat, bleibt offen, nach welchen kriterien hier die entscheidung zu treffen ist. ist es plausibel, dass ein ‚himmlischer vater’ seine ‚irdischen kinderchen’ ratlos mit diesem wirrwarr sitzen lässt? () das deutungsproblem: z bezieht sich auf den adressaten der göttlichen offenbarung. nehmen wir probeweise an, es gibt einen mitteilungswilligen gott und die wahl der ‚heiligen schrift’ ist kühngetroffen. wer ist dann deutungsberechtigt und wodurch wird er deutungskompetent? hier kommt der ‚heilige geist’ ins spiel, der angeblich für eine besondere gottgeschenkte vernunft sorgt. wenn dies zutrifft, wie können wir dann verstehen, dass auch unter braven theologen, die sich selbst für deutungsberechtigt halten, kein konsens besteht? handelt es sich hier nur um eine schmeichelhafte selbstzuschreibung oder ist der ‚heilige geist’ einfach unfähig, sich deutlich zu artikulieren? die vernunft, die in diesem epistemischen zugang bemüht wird, ist gerade nicht die philosophische vernunft, sondern eine theologische vernunft. diese besondere vernunft ist angeblich von gott geschenkt, durch den ‚heiligen geist’ bewirkt und ermöglicht es, ‚kirchliche wahrheiten’ ex cathedra zu verkünden. dies bedeutet, dass beispielsweise der papst als der, vom geist gedrängte geistgetränkte festlegt, was als vernünftig gelten kann. wir wissen aber nur durch die selbstauskunft dieser person, dass sie über diese gottgeschenkte vernunft verfügt. handelt es sich folglich lediglich um einen besonders krassen fall von selbstbeweihräucherung? im auftrag des allerhöchsten die ganze welt zu belehren und zu bekehren ist für narzissten die ultimative ‚ego-politur’!

der gott der offenbarung als entität des vertrauens

die moderne christliche diskussion zum gottesbegriff berücksichtigt mitunter kants einsicht, dass gott keine entität der erkenntnis sein kann. der neue gottesbegriff bezieht sich zwar ebenfalls auf einen mitteilungswilligen gott und beruft sich auf eine ‚heilige schrift’, der unterschied zur vorigen variante besteht aber in der einsicht, dass gott nur ein adressat des glaubens und hoffens sein kann. damit verabschiedet sich dieser epistemische zugang von einem gottesbegriff, der gott als eine substanz mit schwer benennbaren wesenseigenschaften – (all)mächtig, (all)wissend, (all)gütig – versteht. stattdessen wird der gottesbegriff als relationaler begriff eingeführt, der ein gottgeschenktes vertrauen des menschen zu gott thematisiert. grundlegend für die weiteren überlegungen ist dann der theologische kernbegriff des glaubens „ich glaube dir …“ im sinne von „ich vertraue dir …“ mit bezug auf gott. die betonung des gottesglaubens im sinne einer persönlichen vertrauenshaltung im unterschied zur gotteserkenntnis wird insbesondere von der evangelischen kirche vertreten. die selbstoffenbarung wird hier als ein heilsversprechen gelesen und der gläubige vertraut auf die göttliche heilszusage. die gottesrede wird als eine persönliche vertrauensbeziehung verstanden und mit dem treueversprechen bei der eheschließung vor dem standesamt verglichen. diese ehe-metapher wird ausdrücklich bereits in der bibel etabliert – beispielsweise wenn die gemeinschaft der gläubigen als ‚braut christi’ bezeichnet wird. wenn davon die rede ist, dass der gläubige auf gott vertraut, wie die braut ihrem bräutigam vertraut, kann dies dann überhaupt durch philosophische reflexionen kritisch beurteilt werden? endet hier vielleicht die zuständigkeit der fragelustigen philosophin? der vertrauensselige gläubige sagt „ja“ und die philosophin sagt entschieden „nein“.

bei genauerer betrachtung handelt es sich um einen sehr merkwürdigen vergleich mit einem höchst eigenartigen vertrauensverhältnis. in philosophischer perspektive geht es um drei akteure (braut x, bräutigam y, bote z). das „ja“ der eheschließung ist keine feststellung eines sachverhalts, sondern ein versprechen zwischen künftigen ehepartnern und das vertrauen darauf, dass das gegebene treueversprechen eingehalten wird. wie die braut ihr vertrauen auf das treueversprechen des bräutigams setzt, so setzt der gläubige sein vertrauen auf die göttliche heilszusage. der gläubige ist also nicht durch ein wissen von gott (metaphysische theorie) ausgezeichnet, sondern durch das vertrauen in gott (religiöse lebenspraxis). aber ganz ohne wissensansprüche geht es auch hier nicht! () das glaubwürdigkeitsproblem bezüglich y: das vertrauensverhältnis setzt die glaubwürdigkeit des bräutigams y voraus, auf die sich das vertrauen der braut x richtet. für die einschätzung der glaubwürdigkeit muss sich die braut auf ihre bisherigen erfahrungen mit dem bräutigam stützen. eine braut, die ihren bräutigam gar nicht kennt, sollte sich besser nicht auf ein derart riskantes spiel einlassen und stattdessen an schillers klugen ratschlag denken: „drum prüfe, wer sich ewig bindet …“ bezogen auf gott steht hier also die glaubwürdigkeit gottes auf dem spiel. doch wodurch soll sich gott als glaubwürdig erwiesen haben? alle zukünftigen und jenseitigen heilszusagen sind prinzipiell nicht überprüfbar. alle vergangenen und diesseitigen heilszusagen – beispielsweise, dass gebete erhört werden und dass das gottesreich in kürze komme – haben sich als unzutreffend erwiesen. jesus war ein falscher prophet! das sollte jeder wissen! () das glaubwürdigkeitsproblem bezüglich z: vor dem standesamt erscheint aber nicht der bräutigam y höchstselbst, sondern ein, angeblich vom ihm legitimierter bote z, der das treueversprechen des bräutigams überbringt. das vertrauen der braut bezieht sich demnach nicht direkt auf einen bräutigam, sondern indirekt auf die aussagen eines boten. sollte sich eine braut auf ein derartiges wagnis einlassen? würde ein standesamt ein treueversprechen durch einen boten überhaupt akzeptieren? bezogen auf gott muss hier also die glaubwürdigkeit der angeblich von ihm beauftragten propheten, evangelienschreiber und aller nachfolgenden kirchenvertreter gesichert sein. wie kann der gläubige auf die glaubwürdigkeit einer schier endlosen anzahl von boten z1, z2, z3 … vertrauen, die sich in einer 2.000-jährigen geschichte als ‚zwischenhändler der heilsbotschaften’ angesammelt haben, zumal sie ihm alle völlig unbekannt sind? () das existenzproblem: zu allem übel weiß die braut x nicht einmal, ob ihr bräutigam y überhaupt existiert. gibt es ein standesamt, das eine trauung vornehmen würde, solange der dringende verdacht besteht, dass sich die braut den bräutigam nur einbildet? die ehe-metapher scheint folglich ein ziemlich schräges bild für den gottesglauben zu sein. die frage nach der existenz gottes, den wesenseigenschaften gottes und der rechtfertigung gottes in anbetracht der übel der welt wird der vertrauensselige auch hier nicht los!

3. warnung vor risiken & nebenwirkungen

die bisherigen philosophischen reflexionen dürften wohl deutlich machen, dass alle epistemischen zugänge nicht das leisten, was der gläubige von ihnen erhoffen mag. dennoch wird er vermutlich an seinem religiösen glauben festhalten. warum tut er dies? der grund – so können wir annehmen – ist ein natürliches bedürfnis angesichts der unerfreulichen ‚geschäftsbedingungen des lebens’ und der wunsch nach ‚ego-politur’ und ‚trostpflästerchen’ mit einem hohen wohlfühl-potenzial. dürfen wir uns – so könnten wir fragen – denn nicht wohlfühlen? wir dürfen uns wohlfühlen, aber wir sollten die risiken und nebenwirkungen beachten!

religion hat es mit mindestens drei nebenwirkungen zu tun: () das problem der mangelnden konsistenz: dieses problem besagt, dass religiöse überzeugungen nicht konsistent formulierbar sind. jeder epistemische zugang geht von problematischen annahmen aus und führt zu unsinnigen konsequenzen, die dann nicht weiter bedacht werden: denken wir nur an das existenzproblem (‚braut ohne bräutigam’) oder das theodizeeproblem (‚gott im knast’). würde dies aber bedacht werden, dann wäre es eine ergiebige quelle für glaubenszweifel. das konsistenzproblem ist vielleicht nicht sehr besorgniserregend, zumal unser denken ohnehin erstaunlich tolerant gegen inkonsistenzen ist. doch es kommt viel schlimmer! () das problem des ultimativen hochmuts: hier geht es – aus der sicht eines ungläubigen – um den eher unerfreulichen charakter der gläubigen. der gläubige behauptet, dass es einen gott gibt, der für ihn einen heilsplan erdacht hat und der – im falle des judentums – ein ganzes völkchen zum ewigen priestervolk erwählt hat und der – im falle des christentums – sogar seinen sohn auf die erde schickte, wobei dieser zu heilszwecken an ein kreuz getackert wurde. der gläubige, der glaubt, dass dieser gott von ihm notiz nimmt, kann nicht gerade als vorzeigebeispiel für bescheidenheit gelten. hier zeigt sich ein sehr ernsthaftes problem, das keinesfalls ignoriert werden darf. wenn wir berücksichtigen, dass lediglich menschen die story über einen göttlichen heilsplan behaupten, dann liegt der dringende verdacht nahe, dass es sich um einen besonders schweren fall von selbstüberschätzung und selbstbeweihräucherung handelt. sollte ein gott tatsächlich die absicht hegen, sich mit dermaßen selbstverliebten wesen zu umgeben, dann lässt dies für den göttlichen charakter auch keine erfreulichen annahmen zu. mit einem satz: die jüdisch-christliche religion ist nicht nur töricht, weil einige ihrer anhänger ihren gott verspeisen, nachdem sie ihn zuvor erfunden haben, sondern sie ist auch in einem unerträglichen maße narzisstisch gestört. psalm 8.5-7 bringt unbeabsichtigt die selbstüberschätzung deutlich zum ausdruck: „was ist der mensch, dass du [gott] seiner gedenkst …? du [gott] hast ihn wenig niedriger gemacht als gott, mit ehre und herrlichkeit hast du ihn gekrönt. du hast ihn zum herrn gemacht über deiner hände werk, alles hast du unter seine füße getan“. das lesen wir doch gerne! das problem des ultimativen hochmuts ist zwar ein fall einer sich selbst entlarvenden selbstschmeichelei, aber noch immer nicht wirklich besorgniserregend. doch es kommt noch viel schlimmer! () das problem der ultimativen destruktion: die offenbarungsreligionen (judentum, christentum, islam) beinhalten ein bemerkenswertes destruktionspotenzial, weil sie die tatsächliche abhängigkeit des menschen von der natur verschleiern. die natur wird zur bloßen schöpfung eines vom menschen selbstgebastelten gottes herabgewürdigt und dieser mensch erklärt sich selbst zum ebenbild gottes, stellt sich über die natur und beansprucht die herrschaft über sie. aber spätestens hier hört der spaß endgültig auf, denn die selbstüberschätzung wird gefährlich. wir sollten es einsehen und zugeben: als herrscher über die natur sind wird nicht kompetent! übrigens: ein (all)wissender gott hätte dies bei der schöpfung bedenken und berücksichtigen müssen!

was würde der ‚liebe gott’ dazu sagen?

einige zeit nachdem ich diesen essay verfasst hatte, passierte es dann … eines nachts erschien mir der ‚liebe gott’ im traum, um sich bitterlich bei mir auszuweinen. ich war zuerst etwas erstaunt: „es gibt ihn also doch!“, dachte ich überrascht und weiter: „wieso meldet er sich ausgerechnet bei mir – einer agnostikerin?“ aber nachdem ich ihm die halbe nacht aufmerksam zugehört hatte, verstand ich ihn nur zu gut.

der ‚liebe gott’ beklagte sich bitterlich darüber, dass die gläubigen ein ziemlich merkwürdiges verhalten zeigen – ein verhalten, das ihn einfach nur nerve. er hatte anscheinend beobachtet, dass ich eine spaßhaltige, agnostisch-naturalistische weltanschauung pflege und daher beschloss er, eben mit mir zu reden. er wollte von mir wissen, ob das verhalten dieser selbsternannten gottesanhänger mit den mitteln der kognitionspsychologie erklärt werden könne und was er nun tun solle. ich gestand ihm, dass ich leider keine psychologin sei, sondern nur eine freche philosophin und ihm daher auch nicht weiterhelfen könne. er war etwas enttäuscht und fragte mich, ob die gläubigen jemals darüber nachgedacht hätten, wie er sich eigentlich bei diesem kuriosen religionszirkus so fühle. blitzschnell wurde mir klar, dass der ‚liebe gott’ hier eine berechtigte forderung nach perspektivenübernahme und mitgefühl stellt. jedenfalls wollte er klarstellen, dass er sich ausnahmslos von allen gottgläubigen auf dem planeten erde entschieden distanziere und er versicherte mir glaubwürdig, dass er keinen einzigen von ihnen erwählt habe. stattdessen verglich er synagogen, kirchen und moscheen mit waschsalons, die wahlweise freitags, samstags oder sonntags gehirnwäsche betrieben.

dann erzählte er mir en detail, was ihn so nervt. „am schlimmsten sind die vatikanesen!“ sagte er. „stell dir vor, sie spritzen mit weihwasser herum und verströmen ständig weihrauch. von diesem geruch wird mir immer übel und ich muss mir die nase zuhalten, damit ich mich nicht übergeben muss. sie ziehen – obwohl ausnahmslos männlichen geschlechts – eigenartige frauenkleider an, setzen sich bunte mützchen auf und manchmal ziehen sie sogar rote schühchen an. ich kann diese lächerlichen klamotten einfach nicht mehr sehen und halte mir schon die augen zu. überall hängen sie gipsfigürchen von einem fast nackten mann auf, den sie an ein holzkreuz getackert haben und von dem sie behaupten, er sei mein sohn. skandal! dann machen sie vor diesem gipsfigürchen erst ein sehr betrübtes gesicht und dann einen tiefen knicks. ist diese knickserei eigentlich der aktuelle trendsport?“ fragte er. „manche hängen sich dieses arme folteropfer in miniaturausgabe sogar um den hals. widerwärtig, absolut widerwärtig!“ schimpfte er. „sie singen süßliche liedchen, obwohl die meisten völlig unmusikalisch sind. ich kann das alles nicht mehr hören und folglich muss ich mir immer die ohren zuhalten.“ ich war geschockt und fassungslos. „du hockst also im himmel und hälst dir augen, ohren und nase zu?“ fragte ich ungläubig. „genau so ist es“, sagte er verzweifelt, „das ist doch kein leben mehr. doch es kommt noch viel schlimmer. inbrünstig betteln sie um sündenvergebung und fürchten sich vor der unvergebbaren ‚sünde wider den geist’. keine ahnung, was sie damit meinen. ständig belästigen sie mich mit irgendwelchen bittgebeten. ich soll für den weltfrieden sorgen und krampfadern heilen. ich kann das alles gar nicht. von krampfadern verstehe ich nichts und gegen die militärs der amis komme ich ohnehin nicht an. die rüsten wie die vollidioten und ich soll dann die weltkatastrophe verhindern. und seit ein gewisser trump an der macht ist, ist es mit dem weltfrieden noch schwieriger.“

als ich aus dem traum erwachte, hörte ich von der offenen balkontür her ein leises vielstimmiges kichern und glucksen, wie aus 17 kehlen. mich beschlich das eigenartige gefühl, dass es nicht der ‚liebe gott’ war, mit dem ich soeben parlierte. es schien ein geheimnisvolles wesen zu sein, das sich einen köstlichen schabernack mit mir gönnte. schlaftrunken blinzelte ich in die morgendämmerung. doch ich sah nur noch einen todschicken schwanz in ringelsöckchen-optik – wie ihn sonst nur die extravaganten kattas auf madagaskar tragen – über das balkongeländer huschen.